Kitas: Erzieherinnen am Limit die Eltern auch

| Kategorie: Kategorie: Aus der Partei | 3 Minute(n) Lesezeit

Die Erzieherinnen klagen über die starken Belastungen, die Eltern über mangelnde Verlässlichkeit: Erneut haben in Rheinland-Pfalz die Beschäftigten kommunaler Kindergärten gestreikt. Jeder Streik sei wie „Zündeln in einer Pulverkammer“, findet der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Andreas Winheller, drastische Worte. Wir haben mit Eltern und auch Erzieherinnen gesprochen.

Am Mittwoch gingen landesweit Erzieherinnen auf die Straße. Das zweite Mal binnen 14 Tagen. Verdi fordert in der Tarifrunde mit den Arbeitgebern bessere Arbeitsbedingungen fürs Kita-Personal, Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel und mehr Geld für die Erzieher. Bislang winkte die Gegenseite, die kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), beim Thema Lohnerhöhung ab. Argument: Schon jetzt verdiene das Personal in den kommunalen Einrichtungen bis zu zehn Prozent mehr als bei anderen Trägern im Sozial- und Erziehungsdienst.

Den Erzieherinnen und Erziehern geht es aber um mehr als nur Geld. So wollen sie verbindliche „Verfügungszeiten“. Damit ist Zeit gemeint, die Arbeit mit den Kindern vor- und nachzubereiten. An den Schulen ist das gang und gäbe. Bei Kitas hingegen müsse das praktisch nebenher geschehen. „Die Kinder werden mehr verwahrt als gefördert“, entfuhr es unlängst Claudia Theobald, der Vorsitzenden des Kita-Fachverbands Rheinland-Pfalz, in einem Interview mit der „Rheinpfalz“. Die Rahmenbedingungen seien nicht mehr kindgerecht, und mit der Kita-Novelle und dem Anspruch auf siebenstündige durchgehende Betreuung sei noch eine Schippe draufgelegt worden.

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi fehlen derzeit bundesweit krankheitsbedingt 20 Prozent des Personals. Oft sei es Burn Out. Viele hätten das Gefühl, nicht mehr ihren pädagogischen Aufgaben und den Kindern gerecht werden zu können. Mancher bewerbe sich weg. „Der Platzausbau und die Ausweitung der Öffnungszeiten bei dem gleichzeitigen Versäumnis, die Bedingungen in den Einrichtungen und in der Ausbildung zu verbessern, haben bewirkt, dass die Beschäftigten am Limit angekommen sind“, heißt es in einer Mitteilung von Verdi-Vize Christine Behle.

„Jetzt ist keine Zeit für Tarif-Folklore“

Am Limit sind schon lange viele Eltern. Denn die Kinderbetreuung  an den Streik-Tagen zu organisieren, kostet Nerven – und das Nervenkostüm ist nach zwei Jahren Corona schon dünn genug. Andreas Winheller, Vorsitzender des Landeselternausschusses, fasst es so zusammen: „Nach zwei Jahren Corona-Einschränkungen gehen Familien und Kinder auf dem Zahnfleisch. Daher ist eine zuverlässige Kita-Betreuung gerade jetzt extrem wichtig. Jeder Kita-Streik ist daher im Moment wie Zündeln in der Pulverkammer. Die gesetzlichen Vertretungen der Kita-Eltern rufen daher alle Tarifparteien auf, sich dieser besonderen Verantwortung bewusst zu sein und konstruktiv und lösungsorientiert zu verhandeln, um Kita-Streiks zu vermeiden. Jetzt ist keine Zeit für Tarif-Folklore sondern verantwortungsvolle Verhandlungsführung. Dazu müssen Arbeitgeber und Gewerkschaften ihren Beitrag leisten.“

Was sagen die Eltern selbst? Eine zweifache Mutter, 33 Jahre, aus Mainz hat sich bei der CDU Rheinland-Pfalz gemeldet, möchte aber anonym bleiben. „Natürlich haben wir als Eltern grundsätzlich Verständnis für den Streik der Erzieherinnen im Rahmen der Tarifverhandlungen. Die Forderungen für eine bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen sind berechtigt“, so die Mutter aus Mainz, die dafür wirbt, dass die Situation für die Kinder und Eltern wieder in den Mittelpunkt der Kinderbetreuung rücken muss. „Kita-Schließungen wegen Streiks sind in der aktuellen Situation unverhältnismäßig. Unsere Tochter war seit Januar nicht eine komplette Woche in der Kita-Betreuung. Erst wegen Corona-Schließung, dann wegen Personalmangel und nun wegen Streiks“, kann die Mutter ihre Wut über die immer neuen Herausforderungen aufgrund eine verfehlten Kita-Politik nicht mehr zurückhalten. „Die Dauer-Probleme im Kita-Bereich haben die Grenze der Belastbarkeit längst überschritten“ führt die Mutter weiter aus und ergänzt: „Woher sollen denn dauernd neue Personen kommen, die in der Kinderbetreuung einspringen, wieviel Urlaub sollen wir denn noch hintereinander versuchen zu erhalten?“ Von der Politik erwartet sie, dass die Landesregierung endlich den vollmundigen Worten einer angeblich besten Betreuung in Rheinland-Pfalz auch Taten folgen lässt. „Mit der Realität hat die Situationsbeschreibung der Landesregierung wenig zu tun“ so die Mutter, die aber auch die Streikenden nicht ausspart in ihren Ausführungen. „Man fragt sich schon, warum der Gewerkschaft und den Erziehern nichts anderes einfällt als dauernd zu streiken“, so die Mutter.

Größtes Problem bleibt das Kita-Zukunftsgesetz

Thomas Barth, Kita-Experte der CDU-Landtagsfraktion, sagt: „Der Unmut der Eltern ist absolut nachvollziehbar. Aber Corona hat auch vor den Kitas nicht halt gemacht. Gerade in Gemeinschaftseinrichtungen war und sind Ansteckungsgefahren erfahrungsgemäß größer. Schwerwiegendstes Problem ist und bleibt das Kita-Zukunftsgesetz. Ohne vorher das Personal auszubauen, war seine Umsetzung zum realisierten Zeitpunkt – dazu noch mitten in der Pandemie – falsch. Leidtragende sind die Kinder und Eltern. Schuld daran ist: die Landesregierung und die Ampelkoalition.“

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