9-Euro-Ticket? Mitnahme-Effekt statt effektive Hilfe

| Kategorie: Kategorie: Meinung | 2 Minute(n) Lesezeit

Das 9-Euro-Ticket hilft nicht, wenn der Bus nicht kommt – das sagt Maike Malzahn. Die Vorsitzende der Jungen Union Mainz-Bingen hat sich kritisch mit dem Vorschlag der Berliner Ampelkoalition auseinandergesetzt. Sie ist sich sicher: Das Ticket erzeugt vor allem Mitnahmeeffekte. 

„Betrachtet man die Spritpreise der letzten Tage und Wochen, wird deutlich: Autofahren muss man sich mittlerweile leisten können! Wälzt man Ideen hin und her, wie man unterstützen könnte oder wie man denjenigen am besten hilft, die auf das Auto nun mal angewiesen sind – man könnte viele Vorschläge machen. Die Idee des 9-Euro-Tickets allerdings hinterlässt weitestgehend Fragezeichen.

Machen wir uns nichts vor, auch ich, die ich großer Fan des ÖPNV bin, sehe, dass dieses Ticket keine wirkliche Entlastung schaffen kann und wird.

Wenn wir uns ehrlich machen, ist der ÖPNV für die meisten Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer eben keine Alternative zum Auto. Und dieses Problem wird nicht erst jetzt augenscheinlich. Viel zu teuer, viel zu unregelmäßige Fahrzeiten, zu wenig kluge Angebote – vor allem über Kreis- und Stadtgrenzen hinaus. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht, das Angebot ist zu schwach, um verlässlich auf Bus und Bahn umzusteigen. Das sind vertane Chancen, liebe Landesregierung! In der vergangenen Legislaturperiode hat die Landesregierung das Nahverkehrsgestz von Herrn Wissing beschlossen. Die Idee war nicht schlecht, doch: Die Finanzierung bleibt ungeklärt, es gibt keine Effizienzsteigerung, sondern nur eine Umorganisation. Auch fehlen jegliche Ziele oder Visionen für den ÖPNV der Zukunft. Da fehlen die Grundlagen, die Strukturen. Passiert ist nichts! Stattdessen weist man Verantwortung für die Nahverkehrspläne von sich und ist über tatsächliche Kosten gänzlich uninformiert.

Ähnliches gilt beim Versprechen des 365-Euro-Tickets. Wäre man das in der Planung zügig angegangen, würden Fahrpläne und Angebote zur Verfügung stehen. Dann wäre der ÖPNV eine grundsätzliche Alternative.

So heißt es leider: Da hilft uns ein 9-Euro-Ticket nicht, wenn der Bus nicht kommt!

Wem nutzt dieses Ticket also wirklich? Ganz klar: Denen, die auch vorher schon den ÖPNV genutzt haben. Diejenigen, die in Ballungszentren und Städten leben, die gut angebunden sind und verlässlich jeden Morgen mit dem Bus und der Bahn zur Arbeit fahren.

Ich jedenfalls möchte nicht wissen, wie viele Jahres- und Monatskarten-Besitzerinnen und –Besitzer derzeit ihr Abo pausieren und drei Monate zum vergünstigten Tarif fahren werden – wer könnte es ihnen verübeln?“

Maike Malzahn ist Kreisvorsitzende der Jungen Union Mainz-Bingen. Sie ist Autorin zu ÖPNV-Themen im Buch „Wohlstand edition 21 – 20 Plädoyers für einen nachhaltigen und sozialen Markt“ von Gerd Schreiner.

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