Wer schützt diejenigen, die uns schützen?

| Kategorie: Kategorie: Aus der Partei | 2 Minute(n) Lesezeit

An diesem Freitagmorgen werden mehr als 9.000 Polizistinnen und -polizisten in Rheinland-Pfalz um Punkt 10 Uhr innehalten. Schweigeminute für die Opfer von Kusel. Zwei Kollegen, eine 24-jährige Anwärterin und ihr 29 Jahre alter Kollege, wurden mutmaßlich von Wilderern erschossen, ja regelrecht hingerichtet. Das Land steht unter Schock, und neben der Trauer steht die Frage: Wer schützt diejenigen, die uns schützen?

Wer sich mit Angehörigen der Polizeiszene, nicht nur in Rheinland-Pfalz, unterhält, spürt: Der mutmaßliche Doppelmord von Kusel geht den Kolleginnen und -kollegen mehr als unter die Haut. Weil er eben aus einer – eigentlich – gewöhnlichen Situation heraus  entstanden ist. Solche Einsätze wie am vergangenen Montag gehören zur Routine, und Verkehrskontrollen zählen zu den klassischen Bestandteilen der Ausbildung. „Das ist Berufsrisiko“, sagt eine junge, angehende Kriminalbeamtin, die nicht mit Namen genannt werden möchte. Auch Thomas Meyer, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft Rheinland-Pfalz, sagt: „Nach dem, was wir bisher wissen, ist die Wahrscheinlichkeit, einen solchen brutalen Angriff zu verhindern, dem man unvorbereitet begegnet, äußerst gering.“ Man müsse gleichwohl die Ermittlungen abwarten und noch nicht zu frühe Schlüsse ziehen. Indes: „Die Polizei Rheinland-Pfalz ist gut ausgerüstet, aber gegen gezielte Kopfschüsse hilft die beste Einsatzausrüstung leider nicht“.

„Das war ein völlig unvermittelter Angriff, da bleibt gar kein Handlungsspielraum.“

Die Zivilstreife war am frühen Montagmorgen zunächst im Raum Kusel  unterwegs, um einen Einbruchdiebstahl aufzuklären. Dabei fiel den Polizisten ein Kastenwagen mit totem Wild auf. Als sie die Ausweispapiere der beiden Insassen prüften, eröffneten die Männer das Feuer. Eine Situation, mit der die beiden Polizisten nicht rechnen konnten. Jörg Radek, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, sagte gegenüber Medien: „Nach dem, was bisher bekannt ist, haben sich die beiden so verhalten, wie es in Einsatztrainings gelehrt wird. Mit der Taschenlampe in der Hand hat die Polizistin die Papiere kontrolliert, während ihr Kollege sichert.“ Und auch DPolG-Bundeschef Rainer Wendt urteilt: „Das war ein völlig unvermittelter Angriff, da bleibt gar kein Handlungsspielraum.“

Einzigartig bleibt die Tat aufgrund ihrer besonderen Grausamkeit. Im ganz klassischen Polizeialltag haben es die Einsatzkräfte – ob Polizisten, Feuerwehr, Rettungskräfte oder auch kommunale Vollzugsbeamte – mit zunehmender Respektlosigkeit zu tun. Polizeibeamte werden beleidigt und angespuckt, geschlagen und angepöbelt. Das gilt auch für Mitarbeiter in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens. Zugbegleiter zum Beispiel sind fast täglich Beschimpfungen und Übergriffen ausgesetzt. Und im Internet finden solche Übergriffe sogar noch positiven Widerhall – oder zumindest keine wirkliche virtuelle Gegenwehr.

CDU mit „Respekt-Kampage“ für die Blaulichtfamilie

Die CDU Rheinland-Pfalz hatte schon vor anderthalb Jahren eine breite „Respekt“-Kampagne für die sogenannte „Blaulichtfamilie“ und andere Einsatzkräfte ins Leben gerufen. CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner sicherte der Polizei am Montag „unsere volle Solidarität und unsere Unterstützung“ zu. CDU-Landtagsfraktionschef Christian Baldauf wird am Freitag eine Polizeiwache besuchen. Rückendeckung für diejenigen, die uns schützen, ist jetzt mehr denn je gefragt.

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