„Das C steht für die Würde aller Menschen“

| Kategorie: Kategorie: Meinung | 2 Minute(n) Lesezeit

Die aktuelle Debatte über das „C“ im Parteinamen „CDU“ ist gut und wichtig, sagt Andreas Rödder, Professor für Neueste Geschichte an der Uni Mainz und CDU-Mitglied. Er schlage  allerdings nicht vor, das „C“ abzuschaffen, sondern darüber nachzudenken, ob es noch zeitgemäß sei – und wenn ja, es reflektiert zu verwenden, statt es nur zu beschwören. Lesen Sie hier seinen Meinungsbeitrag.

„Wenn sich die Union zum C bekennt, dann sollte sie über Parteitagsrituale hinausgehen. Denn wenn sie es als vom christlichen Erbe inspirierte allgemeinpolitische Grundlage ernst nimmt, dann ist das C mehr als ein Wohlfühlfaktor. Dann entwickelt es Kanten, mit denen sich die Union von einem Mainstream unterscheidet, dem sie sich zuletzt nach inzwischen allgemeiner Ansicht allzu unhinterfragt angepasst hat.

Das C steht für die Würde aller Menschen. Das markiert einen grundlegenden Unterschied sowohl zu völkischem Nationalismus als auch zu einem fundamentalistischen Islam. Das muss man dann in der politischen Diskussion klar vertreten – nach allen Seiten.

Nicht die Gleichheit der Ergebnisse ist das Ziel, sondern die Gleichheit der Würde ist die Grundlage, von der die Vorstellung der Gleichberechtigung ausgeht.

Das christliche Menschenbild besagt vielmehr, dass Menschen gleichwertig, aber unterschiedlich sind. Darin steckt ein Schlüssel für den Umgang mit Ungleichheit. Nicht die Gleichheit der Ergebnisse ist das Ziel, sondern die Gleichheit der Würde ist die Grundlage, von der die Vorstellung der Gleichberechtigung ausgeht.

Das Ergebnis von Gleichberechtigung ist Ungleichheit, die das C dann begrüßt, wenn sie auf fairen Voraussetzungen beruht. Das aber ist ein fundamentaler Unterschied zur Politik der ‚Gleichstellung‘. Das C geht von der Person und ihrer Entfaltung, nicht von Gruppenzugehörigkeiten aus – womit ein grundlegender Unterschied zu allenthalben vordringenden Identitätspolitik markiert ist.

Das gilt auch für die Überzeugung, dass der Mensch fehlbar ist. Er ist also nicht im Besitz einer absoluten Wahrheit – eine Grundhaltung, die nicht zuletzt in der klimapolitischen Debatte für mehr Umsicht sorgen könnte.

Und schließlich die so schwer auszusprechende Subsidiarität: Individuen und gesellschaftliche Gruppen sind zunächst für sich selbst verantwortlich, und nur dann, wenn sie das nicht bewältigen können, greift die Solidarität des Staates ein. Dieses Prinzip ist die gesellschaftspolitische DNA der Christdemokratie. Es ist der Wille zu dieser eigenständig christdemokratischen Balance zwischen Eigenverantwortung und Staatsintervention, der Arbeitnehmerbewegung und Mittelstandsvereinigung, Karl-Josef Laumann und Friedrich Merz in einer Partei vereint.

Das C hält sowohl Substanz als auch Unterscheidungskraft bereit. Eine Union, die sie selbst sein will, kann daraus zukunftsfähige politische Konzepte gewinnen, mit denen sie sich unterscheidet. Aber dazu muss sie ihr Erbe auch wirklich ernstnehmen.“

Andreas Rödder ist Professor für Neueste Geschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und gegenwärtig Helmut Schmidt Distinguished Visiting Professor an der Johns Hopkins Universität Washington. Er ist Mitglied der CDU und Leiter der 2021 gegründeten Denkfabrik Republik21. Neue bürgerliche Politik.

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