„Schulen nicht für 5. Welle gerüstet“

| Kategorie: Kategorie: Meinung | 2 Minute(n) Lesezeit

Die 5. Welle kündigt sich an. Die Schulen in Rheinland-Pfalz sind dafür aber nicht gerüstet, sagt Lars Lamowski, stellvertretender Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Rheinland-Pfalz. Er fordert flächendeckend Luftfilteranlagen für die Schulen, mehr Coronatests und verlängerte Weihnachtsferien für die Schülerinnen und Schüler.

„Die 5. Welle kündigt sich an – und wir müssen uns in Rheinland-Pfalz fragen: haben wir wirklich alles für die Schulen getan, was man machen kann? Ich habe da meine Zweifel. Das beginnt mit den Tests. Wir bräuchten drei statt zwei Tests in der Woche. Sinnvoll wäre der Rhythmus Montag, Mittwoch, Freitag. In der Woche vor Weihnachten hat man auf den zweiten Test verzichtet, weil der 24.12. auf den Freitag fällt. Das ist eine glatte Fehlentscheidung. Mit einem zweiten Test am vergangenen Mittwoch hätte die Landesregierung den Eltern ein besseres Sicherheitsgefühl zu Weihnachten schenken können. Andere Bundesländer, etwa Nordrhein-Westfalen, haben das getan.

Durch die Biontech-Einnahmen wird das Land Rheinland-Pfalz vom Nehmer- zum Geberland. Das ist erfreulich, nur: Warum nimmt die Landesregierung nicht die Einnahmen und schafft damit flächendeckend Luftfilteranlagen für alle Schulen an? Diese Anlagen würden auch in der Nach-Coronazeit Sinn machen. Einige Schulen haben die Geräte auf eigene Faust angeschafft. Finanzkräftige Schulträger oder gut verdienende Eltern sorgen dafür, dass die Schulen entsprechend ausgestattet sind. Es kann aber nicht sein, dass der Gesundheitsschutz der Schüler letztlich vom Geldbeutel des Schulträgers bzw. der Eltern abhängt. Hier muss Chancengerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit im Schulsystem her, indem alle Schulen diese Luftreinigungsanlagen bekommen.

Wir wollen, dass die Schulen grundsätzlich geöffnet bleiben. Doch dazu brauchen sie Sicherheit und Ruhe.

Auch bin ich der Meinung, dass wir die Schulen im neuen Jahr eine Woche länger zulassen sollten. Denn ansonsten beginnt der Schulbetrieb bereits am 3. Januar – dieses Jahr sind die Weihnachtsferien ohnehin sehr kurz. Es sollte den Eltern möglich sein, diese eine Woche zu überbrücken. An den Schulen könnte man eine Notbetreuung einrichten für diejenigen, die das nicht schaffen. Wir sollten die Zeit Anfang Januar nutzen, um die Entwicklung bei Omikron zu beobachten. Dadurch könnte man einen Sicherheitspuffer schaffen. Laut den Experten kommt keine Welle, sondern eine Wand auf uns zu, und das wird genau die Woche vor Silvester sein. Wir wollen, dass die Schulen grundsätzlich geöffnet bleiben. Doch dazu brauchen sie Sicherheit und Ruhe.

Die Schulen benötigen überdies eine solide personelle Ausstattung, nicht nur über Vertretungsverträge, sondern mit mehr Planstellen. Die ‚Corona-Lücken‘ bei den Kindern sind bis jetzt zu spüren. Und diese Lücken können nur durch qualifiziertes Fachpersonal ‚gestopft‘ werden und nicht durch pädagogische Laien, die über Vertretungsverträge eingestellt werden.

Um auf die Frage vom Anfang zurück zu kommen: Die Schulen in Rheinland-Pfalz sind nicht für die kommenden Wochen gerüstet, und diesen Schuh muss sich die Ampel-Landesregierung anziehen.“

Lars Lamowski ist Leiter der Grundschule Kirchen (Kreis Altenkirchen) und stellvertretender Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Rheinland-Pfalz.

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