Eine Frage der Kultur

| Kategorie: Kategorie: Aus der Partei | 5 Minute(n) Lesezeit

Wer sind wir? Und wenn ja, wieviele? 36.000 sind wir, die CDU Rheinland-Pfalz. Die Frage nach der Identität, nach dem, was uns verbindet und was wir erreichen wollen, die soll neu diskutiert werden. Ja, sie muss. Nach dem schlechten Abschneiden bei der Landtagswahl im März waren sich alle führenden Köpfe einig, allen voran unsere Landesvorsitzende Julia Klöcker: Wir brauchen neue Strukturen und neue Inhalte – und die sollen gemeinsam mit den Mitgliedern entwickelt werden. In der kommenden Woche startet der Erneuerungs- und Beteiligungsprozess nun mit einem Parteikonvent am 20. November. Wir haben unter anderem mit dem Mann gesprochen, der die Partei mit einem externen Blick und Sachverstand dabei begleitet: dem Berater Dr. Georg Kraus.

Dr. Georg Kraus ist Stratege und Berater seit mehr als 30 Jahren. Er hat mit seinem Team viele Unternehmen und soziale Organisationen bei Veränderungsprozessen erfolgreich begleitet. Aber Parteien noch nicht. Doch das ist kein Malus, sondern genau so gewollt, betont Winfried Görgen, der Schatzmeister der CDU Rheinland-Pfalz, der sich besonders für die Neuentwicklung engagiert hat. „Mir war es wichtig, dass ein ’neutraler‘ Berater von außen dazu kommt, der daher nicht im Verdacht steht, den Prozess oder Entscheidungen im eigenen Interesse in die eine oder andere Richtung zu leiten“ , sagt der 68-Jährige, der selbst führungserfahren ist.

Und überhaupt – Entscheidungen: Die sollen, ginge es nach Winfried Görgen, in der CDU Rheinland-Pfalz in Zukunft anders getroffen werden als bisher.

Doch von vorne. Ein Berater also. Mit dem Blick von außen. Und was zeigt der?

„Es gibt eine gewisse Kluft zwischen den Mitgliedern und der Führungsebene in der CDU Rheinland-Pfalz.“

Dr. Georg Kraus

Dr. Georg Kraus konstatiert: „Es gibt eine gewisse Kluft zwischen den Mitgliedern und der Führungsebene in der CDU Rheinland-Pfalz.“ Kraus hat in den vergangenen Monaten unzählige Gespräche mit Parteimitgliedern auf allen Ebenen geführt. Dazu gab es die große Mitgliederumfrage. Kraus‘ Einschätzung: Die gegenseitigen Erwartungen von Basis und Führung – unklar. Das Vertrauen – schwer zu fassen.

Die Mitglieder stark einbinden

Doch der Unternehmensberater ist überzeugt, dass eine Erneuerung, ein Neuanfang gelingen kann. Wie dieser aussehen soll, dass sollen die Mitglieder mitentscheiden. Winfried Görgen sagt klar und deutlich: „Entscheidungen, die nicht transparent getroffen werden, führen dazu, dass andere außen vor bleiben. Dann wenden Leute sich ab. Wir müssen künftig viel mehr Austausch organisieren und es muss klar sein: Jeder kann mitmachen.“
Für diesen Beteiligungsprozess gibt es die volle Unterstützung des geschäftsführenden Landesvorstandes. Landesvorsitzende Julia Klöckner betont ausdrücklich: „Wir brauchen mehr Beteiligung und müssen sie auf allen Ebenen der Partei kontinuierlich auf- und ausbauen.“
So entwickelt auf ihren Wunsch hin ein neunköpfiges, breit aufgestelltes „Vorbereitungsteam“ derzeit nun auch den Weg zur Neuwahl des Landesvorstandes im kommenden März, der Maß nehmen soll am Verfahren, das die Bundes-Partei gewählt hat und bei dem die Basis eingebunden wird.
Dessen Mitglieder sind Christine Schneider MdEP, Jens Münster (JU-Landesvorsitzender), Dr. Susanne Thelen (CDU Trier), Patrick Schnieder MdB, Jenny Groß MdL, Eveline Breyer (Bürgermeisterin Ingelheim), Generalsekretär Jan Zimmer sowie Dr. Kraus und Winfried Görgen.

„Es braucht Geduld, vielleicht Jahre“

Davon unabhängig hat sich die Landes-CDU einen umfassenden Erneuerungsprozess vorgenommen. Denn: „Mit einem Führungswechsel ist es nicht getan“, ist Dr. Georg Kraus überzeugt. Es brauche tiefgehende Veränderungen. Diese bräuchten mitunter Jahre, und: „Es kann erst einmal schlechter werden, bevor es besser wird.“
Veränderungen sind nicht immer einfach, manchmal tun sie auch weh. Doch die CDU Rheinland-Pfalz geht sie an. Das ist, neben anderen, auch Landesgeschäftsführer und Generalsekretär Jan Zimmer zu verdanken, dem die Modernisierung der Partei ein ausdrückliches Anliegen ist und der bereits etliche Projekte angestoßen hat. Jan Zimmer: „Wir werden nur erfolgreich und wieder kampagnenfähig sein, wenn wir unseren Strukturen und Abläufen ein Update ins 21. Jahrhundert verpassen. Davon bin ich zutiefst überzeugt.“

Neue Identität, neue Kommunikation

Change-Berater und Honorarprofessor Dr. Georg Kraus hat für den nun startenden Beteiligungsprozess einen dreistufigen Plan entwickelt.

Erstens: Die Partei soll wieder lernen, stärker in Dialog zu treten. Debatten über Themen zu führen und Entscheidungen zur Disposition zu stellen, jenseits von Tabus oder persönlichen Zuschreibungen. Das gelte für den Ortsverein genauso wie für höhere Ebenen.
Zweitens: Die Partei muss – gemeinsam – ihre inhaltliche und politische Identität wiederfinden.
Drittens: Die neue Identität gilt es zu positionieren und hin zur nächsten Landtagswahl auch öffentlich zu stärken.

Am Samstag (20.11.) gibt es den großen Kick-off: In Bingen kommen Delegierte aus allen Kreisverbänden und die Mandatsträger aus Rheinland-Pfalz zur Diskussion zusammen. Sie stellen sich beim Parteikonvent in Arbeitsgruppen den drängenden Fragen:
Welche Rolle hat eigentlich ein Mitglied? Was ist mit einer Mitgliedschaft verbunden? Welche Inhalte und Werte sind uns wichtig? Wofür stehen wir? Wie werben wir neue Mitglieder? Welche Angebote zum Dialog machen wir ihnen?
Zu den Themenfeldern und Ideen wird es dann auch im Weiteren Arbeitsgruppen und Teams geben, die sich kontinuierlich mit der Weiterentwicklung beschäftigen werden.

Neue Strukturen

All das steht in engem Zusammenhang mit einer großen strukturellen Reorganisation der Partei. Dr. Georg Kraus: „Wir müssen uns zum Beispiel fragen, wieviel Steuerung die Partei braucht, wieviel Verantwortung die Kreisverbände übernehmen können oder auch wie sie zusammenarbeiten können.“
Winfried Görgen ist dabei für die Zukunft eines besonders wichtig: die Kommunikation innerhalb der Strukturen. Er wünscht sich, dass dazu sogenannte Standards vereinbart und verschriftlicht werden. Nach dem Motto: „Immer dann, wenn…, machen wir es wie folgt.“ Jedes Mitglied müsse sich beständig gut und transparent informiert und in der Lage fühlen, mitzumachen.

Landesschatzmeister Görgen möchte auf dem Weg der Veränderung ein steter und starker Wegbegleiter sein, der nicht locker lassen möchte. Die Erneuerung ist ihm, der, wie er selbst sagt, schon zu den „Alten“ zählt, ein Herzensanliegen.
Der Prozess, ein stärkerer Austausch und die Einbindung der Basis sei eine zentrale Frage einer neuen Mitgliederkultur: „Wir wollen und werden unseren Mitgliedern zeigen, dass sie uns etwas wert sind.“
Denn die CDU sind wir.

Update: Wegen der aktuell massiv steigenden Corona-Zahlen wird die Veranstaltung am Samstag ausschließlich digital stattfinden.

„Wir wollen und werden unseren Mitgliedern zeigen, dass sie uns etwas wert sind.“

Winfried Görgen

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