Senioren als Motor, nicht als Bremser

| Kategorie: Kategorie: Aus der Partei | 4 Minute(n) Lesezeit

Die Senioren möchten künftig in Wahlkämpfen keine Nebenrolle mehr spielen und Themen wie Gesundheit, Pflege und Sicherheit stärker einbringen. Denn diese betreffen alle, auch jüngere Generationen, betont Dr. Fred-Holger Ludwig, Landesvorsitzender und stellvertretender Bundesvorsitzender der Senioren-Union.

„1,5 Millionen Stimmen sind bei der Bundestagswahl von der CDU zur SPD gewandert. Darunter auch viele Stimmen der über 60-Jährigen. Von den über 70-Jährigen hat immer noch die Mehrheit CDU gewählt. Ursache für die Verluste auch bei älteren Wählern waren viele strategische Fehler in unserer Partei. Wir haben zudem unseren Kompetenzvorsprung auf vielen Feldern verloren, auch in der Seniorenpolitik. Vor allem ältere Bürger, die früher treue Wähler der Unionsparteien waren, entzogen uns das Vertrauen. Nicht nur wegen dieses Ergebnisses, sondern auch wegen vieler nicht gelöster Probleme im Bereich unserer Seniorengeneration ist es notwendig, dass sich Kommunal-, Landes- und Bundespolitik deutliche ergebnisorientierter und bürgerbezogener mit diesen Themen beschäftigt.

Der demographische Wandel wird unser Land – besonders Rheinland–Pfalz – in Zukunft deutlich verändern. Die Einwohnerzahl wird bei steigendem Alter sinken. Ältere Menschen werden immer aktiver und agiler und können ihre Fähigkeiten immer länger für die Gemeinschaft einbringen. Dies fordert gerade von uns als Senioren-Union, sich auf diese Veränderungen vorzubereiten, einzulassen, aktiv diesen Prozess zu begleiten und die daraus resultierende Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Es kann und darf nicht sein, dass wir Ältere von vornherein mit medizinischen und geistigen Defiziten belegt werden und selbst in der eigenen Partei größtenteils nur noch für Nebenarbeiten – besonders im Wahlkampf – gebraucht werden. Gleichzeit sollte es zur Normalität werden, dass CDU–Mitglieder wenigsten ab dem 65. Lebensjahr Mitglied der Senioren-Union werden. Für Mandatsträger sollte dies eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

Wir als ältere Menschen dürfen kein Hindernis des Sozialstaates und der Wirtschaft sein, sondern uns weiterhin als Motor der Weiterentwicklung der Gesellschaft betrachten mit Ressourcen, die wir nutzen müssen. Diese Stellung innerhalb der Gesellschaft, verbunden mit der Tatkraft der jungen Generation, wird als Brücke des Dialogs eine Erfolgsstory sein und bleiben. Die Zeiten, in denen 55-Jährige auf Kosten der nachfolgenden Generation in den Ruhestand geschickt wurden, sind definitiv vorbei. So wünschen sich 65-Jährige und Ältere nicht die Fortsetzung ihrer bisherigen Erwerbsbiografie ohne Vollzeitbeschäftigung, sondern Lösungsmöglichkeiten und Modelle wie z.B. in Schweden, wo die Form der Erwerbsbeteiligung bis ins hohe Alter eine lange Tradition hat.

Altern ist ein Treppenaufgang mit den verschiedensten Hindernissen, auf dem sich nicht mehr drei, sondern fünf Generationen begegnen. Es herrscht Gedränge auf diesem Treppenaufgang und hier sind alle aufgerufen, mitzuhelfen, dass Altersarmut und Alterseinsamkeit bekämpft werden. Mit anderen Worten: Es gehört nicht alles einer Generation. Wenn man ein Leben lang glücklich sein will, muss man der nächsten Generation helfen und darf nicht nur nach der eigenen Nützlichkeit fragen, sondern muss das Gemeinsame herausstellen in Solidarität und Verantwortung einer alternden Gesellschaft.

Eine der wichtigsten Aufgaben wird die Sicherung der Lebensgrundlage der ländlichen Lebensräume sein. Gerade für ältere Menschen brauchen wir flexible Lösungen, etwas beim ÖPNV, mit Nachbarschaftshilfe, altersgerechten Einkaufsmärkten, Rollator-Einkaufswagen, Ärzteshuttles und ähnlichem. Besonders die Versorgung mit Hausärzten und Apotheken, generell die gesundheitliche Versorgung im ländlichen Raum haben zentralen Stellenwert. Es hat sich gezeigt, dass der „Masterplan“ der Regierung und dessen Fortschreibung insbesondere im Bereich der Errichtung und Durchführung einer Zweigpraxis – mit mindestens zehn Stunden Bereitschaft pro Woche – fast keinen Erfolg gezeigt hat. Auch die Entscheidung des Ministeriums in Mainz, zusammen mit der Landesapothekenkammer, dass der Weg zur nächsten diensthabenden Apotheke 25 Kilometer beträgt, bedarf dringend einer Korrektur.

Wie kann die Senioren-Union die Initiative ergreifen? Mit gemeinsamen Sitzungen mit Junger Union und Frauen Union, mit Veranstaltungen zu praktischen Themen wie Technik in den eigenen vier Wänden, Sicherheit im Alter oder altersgerechtem Wohnen. Wichtig bleibt der regelmäßige Austausch mit den Landtags- und Bundestagsabgeordneten. Mit Aktionen wie der „helfenden Hand“, der Einrichtung eines Seniorenamtes oder der stärkeren Zusammenarbeit mit Seniorenbeiräten und Kommunalverwaltungen, etwa beim Thema größere Schreibschrift bei Behördenschreiben und besseren Wegweisern in den Verwaltungen.

Zentrales Thema bleibt altersgerechtes Bauen und bezahlbarer Wohnraum. Nach Schätzungen des Bundesbauministeriums sind nur ein Prozent des gesamten Wohnbestandes altengerecht. Der derzeitige Wohnungsmarkt ist nicht auf die Alterung der Gesellschaft vorbereitet. Es fehlen kleine, barrierefreie Wohnungen, die eine Versorgung und Pflege zu Hause ermöglichen.

Thema Gesundheit und Pflege: Es kann und darf nicht sein, dass diejenigen in unserem Sozialstaat die Verlierer sind, die niemanden mehr haben, der sich um sie kümmert und der sich ihrer annimmt. Es darf ferner nicht sein, dass eine Gesellschaft glaubt – insbesondere bei älteren Menschen – z. B. alles nur durch Medikamentengabe zu regeln. Jeder fünfte Über 70-Jährige nimmt durchschnittlich täglich 13 Medikamente ein. Neben der Medikamentenversorgung sind Aspekte wie hausärztliche Versorgung, richtige Ernährung, Einbindung in die soziale Gemeinschaft sowie gute Hygienestandards weitere wichtige Aspekte. Beispielgebend sind sogenannte Gesundheitspoints – Büros in den Gemeindehäusern. Auch ein Generationenministerium, Idee von Christian Baldauf, wäre wichtig.

Wir sollten uns als Senioren-Union uns nicht scheuen, einen Forderungskatalog für ältere Bürger zu erstellen. Wir müssen aktiv diese Felder beackern und die Themen in die Parlamente tragen. Denn jeder von uns wird einmal alt.“

Der Artikel ist die gekürzte Fassung einer Rede, die Fred-Holger Ludwig auf dem Bezirkstag der Senioren-Union Rheinhessen-Pfalz gehalten hat.

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