Julia Klöckner: „Johannes Gerster war im besten Sinne ein homo politicus“

| Kategorie: Kategorie: Aus der Partei | 2 Minute(n) Lesezeit

Mainz. Bei der Beerdigung von Johannes Gerster hat die Landesvorsitzende der CDU-Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner, ihn mit folgenden Worten gewürdigt und sich verbschiedet:  

„Der Tod von Johannes Gerster macht mich traurig. Sein offenes Wort, seine kritischen Ratschläge und sein Humor werden mir fehlen. Er trug das Herz am rechten Fleck. Seine Wegbegleiter, auch aus anderen Parteien, wussten das an ihm zu schätzen, denn bei ihm wusste man, wo man dran war.“

Julia Klöckner bewundert seine klare uns herzliche Art: „Johannes war im besten Sinne ein homo politicus.“

„Bis zuletzt konnte er sich über Politik aufregen, von der Stadtpolitik  in Mainz, über den Mainzer Landtag bis zum Bundestag, dem er mehr als zwei Jahrzehnte angehörte. Und seine Leidenschaft galt dem Staat Israel. Dem Judentum und der jüdischen Gemeinde in Mainz war er tief verbunden. Aber das sei bei Johannes keine Besserwisserei von der Seitenlinie gewesen.  Nein er war beseelt, die Dinge zum Besseren zu wenden, und für seine Überzeugungen zu kämpfen. Johannes Gerster war im besten Sinne des Wortes ein Typ, ein Charakterkopf, ein Emotionsmensch, wie es sie im politischen Geschäft heute leider viel zu wenige gibt“, so Klöckner weiter.

„Er war eine echte Marke mit konstanten Eigenschaften: Da war zum einen die tiefe und unzertrennliche Verbundenheit zu seiner Heimatstadt Mainz. Er genoss bis zuletzt von seiner Wohnung aus den Blick auf den Mainzer Dom. Seine tiefe Verbundenheit zur Domgemeinde und zum Domchor zeugen davon. Zum anderen war er leidenschaftlicher Fassenachter, der Generalfeldmarschall der Mainzer Ranzengarde, der sich als lebendes Denkmal begriff, als er in Gardeuniform den Sockel des Gutenberg-Denkmals bestieg, um den größten Sohn der Stadt in seiner Abwesenheit – auch unsterbliche Söhne der Stadt brauchen manchmal eine Restaurierung – zumindest kurzzeitig zu vertreten. Johannes hat mich in die Mainzer Ranzengarde gebracht, und ihm habe ich das Tragen der Männeruniform als Frau zu verdanken, eine besondere Geste der Emanzipation … Und es war auch er, der in seiner nicht misszuverstehenden Art meine damals angedachte Rede zur Verleihung des ‚Orden wider den tierischen Ernst‘ versenkte. Mit den einfachen Worten: ‚Kannschte vergesse. Werf das weg. Do reime mir mol was Rischtisches. So, wie das die Meenzer mache.‘ Ich hab sie weggeworfen, wir haben zusammen etwas Neues geschrieben – und es war genau gut so.

Johannes Gerster war ein Vollblutpolitiker, der sich im Bundestag als Verfechter für die innere Sicherheit einen Namen machte. Da war der Pflichtbewusste, der aus Loyalität zu seiner Partei den Bundestag verließ, um für die CDU die Regierungsverantwortung in Rheinland-Pfalz zurückzuerlangen, was nur denkbar knapp nicht gelang. Überall hat er seine ganz persönliche Handschrift hinterlassen.

Und da war der Familienmensch Johannes Gerster, der Ehemann, der Vater und der Großvater. Die Familie hat dem umtriebigen Charakter die innere Stabilität gegeben. So war es zum Beispiel schön zu sehen, wie er mit seiner Frau und den Enkeln bis zu seiner Krankheit einmal die Woche in Mainz zum Mittag beim Bruno war.

Wir werden Johannes sehr vermissen.“

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