Dr. Christoph Gensch: „Wahl zwischen Infektion oder Impfung“

| Kategorie: Kategorie: Interview | 3 Minute(n) Lesezeit

Dr. Christoph Gensch, 43 Jahre alt, ist seit 2016 Abgeordneter im rheinland-pfälzischen Landtag und praktiziert gemeinsam mit seinem Vater als Arzt in einer Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin. Seit der Corona-Pandemie ist sein Fachwissen rund um das Thema Virus, Gesundheit und Impfung stark gefragt. Dass er sich für eine Corona-Schutzimpfung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren ausspricht, trifft nicht nur auf Zustimmung. 

Herr Gensch, Sie sind im Netz für einen sachlichen Beitrag zum Impfen von Kindern heftig angegriffen worden. Hat Sie die Heftigkeit der Reaktionen überrascht?

Wir haben ja in den letzten Monaten – speziell in den sozialen Netzwerken – einiges an Unsäglichkeiten rund um das Thema Corona erlebt – aber die von sog. „Querdenkern“ gesteuerten Reaktionen auf meinen sachlichen Beitrag zum Thema „Impfung für Jugendliche ab 12 Jahren“ hätte ich so nicht erwartet. Und dabei geht es mir überhaupt nicht darum, dass mir jemand widerspricht – unsere Demokratie lebt von Argument und Widerspruch, da kann ich mich argumentativ und auf wissenschaftlichen Daten basierend sehr gut bewegen. Es geht um die Art und Weise. Unsere Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut – aber Meinung ohne Substanz ist halt eben auch nur Meinung. Und die Meinungsfreiheit findet ihre Grenzen überall dort, wo die Rechte Dritter verletzt werden.

Gibt es Reaktionen, die Sie besonders schockierend finden?

Dass ich mich als Arzt, der sich auf einer anerkannten wissenschaftlichen Grundlage für Impfungen ausspricht, dann von irgendwelchen Leuten mit dem Nazi-Verbrecher Mengele vergleichen lassen muss, dem Lager-Arzt von Auschwitz, dass ich mich aufs Übelste beleidigen lassen muss und sogar in Aussicht gestellt wird mich umzubringen, das ist schon eine besondere Qualität und das habe ich in diesem Ausmaß nicht für möglich gehalten. Umso wichtiger ist es mir, hier auch klar und deutlich zu sagen: Stopp! Hier ist eine Grenze überschritten und das werde ich nicht akzeptieren. Wer so etwas tut, der muss eine rechtsstaatliche Konsequenz erfahren.

Gibt es schon Erkenntnisse, wer hinter diesen Hass-Posts steckt?

Es ist zumindest ein Muster zu erkennen. Die Hass-Kommentare und Drohungen sind in gewissen Zeitfenstern aufgetreten. Da gab es einige Personen, die meinen Beitrag auf Facebook verbreitet haben in einer sog „Bubble“, einer Blase von „Querdenkern“ oder Corona-Leugnern. Ich gehe auch davon aus, dass meine Beiträge in Gruppen des Messenger-Dienstes „Telegram“ verbreitet wurden. Dass dort dann dazu aufgerufen wurde, auf meine Seite zu gehen, liegt zumindest nahe. Ich gehe davon aus, dass die Strafverfolgungsbehörden das ggf. rekonstruieren werden.

Zur Sache: Was spricht für, was gegen die Corona-Impfung von Kindern?

Sehen Sie, bei normalem Sozialverhalten (Schule, Sportvereine, Partys) besteht für Jugendliche in den nächsten 6 Monaten eigentlich nur die Wahl zwischen einer Delta-Virus-Infektion oder einer Impfung. Einen dritten Weg wird es nicht geben, gerade weil Corona bei vielen jüngeren noch milde bzw. asymptomatisch verläuft und Infektionsketten schwerer und später zu entdecken sein werden. Die Delta-Variante hat einen R-Wert von ca. 8-10., d.h. ein Infizierter steckt 8-10 weitere an. Sie ist damit noch leichter übertragbar als die Corona-Ursprungsvariante und schon diese hat uns mit Ihrer Übertragbarkeit überrascht.

Was bedeutet das für die Kinder und Jugendlichen?

Ich habe also als Kind/Jugendlicher die Wahl zwischen zwei Immunisierungsstrategien: Einer unplanbaren und mit einigen nicht-kalkulierbaren Risiken versehene Immunisierung durch eine Delta-Virus-Infektion. Diese wirft eine ganze Reihe ungeklärter Fragen auf: Wie viele Kinder/Jugendliche bekommen durch diese Variante einen schweren Verlauf? In welchem Ausmaß gibt es Long-Covid bei Kindern? Gibt es Spätfolgen durch die Infektion, da so viele Organsysteme betroffen sind? Wie häufig tritt bei Delta ein systematisches Entzündungssyndrom bei Kindern auf? Wie häufig sind Begleiterkrankungen wie Myokardititen? Alles Fragen, die die individuelle Gesundheit von Kindern/Jugendlichen betreffen und gesamtgesellschaftliche und Pandemiebekämpfungs-Aspekte bei der Pro/Contra-Entscheidungsfindung außen vor lassen.

Oder die zweite Option: Eine planbare Immunisierung mit einem m-RNA-Impfstoff. Einem Impfstoff, über den mittlerweile sehr vieles bekannt ist, dessen Nebenwirkungsprofil nach millionen- und milliardenfacher Verimpfung relativ klar ist. Einem Impfstoff, über dessen neuen Wirkmechanismus und potentielle jahrelangen Spätfolgen munter spekuliert wird, der aber bisher keine schwerwiegenden Langzeitschäden hat erkennen lassen. Wenn man dann noch weiß, dass alle möglichen Spätfolgen von Impfungen der vergangenen Jahrzehnte schon in den ersten 8 Wochen nach Impfung aufgetreten sind und das Problem in vergangenen Jahrzehnten immer war, dass man aufgrund geringer Impfzahlen den Zusammenhang zwischen Impfung und aufgetretener Schädigungen nicht so schnell erkannt hat, dann wird klar, dass uns die große Anzahl an Impfungen auch hier vor unangenehmen Überraschungen schützt, in dem wir einen Zusammenhang zu seltenen Nebenwirkungen und möglichen Langzeitschäden sehen können. Laut aktuellen WHO-Zahlen fast 5 Milliarden (!) Impfstoffdosen verabreicht.

Vor diesem Hintergrund ist für mich persönlich in einer individuellen Risikoabwägung die Entscheidung klar. Ich empfehle auf Basis dieser Erkenntnisse eine Impfung von Jugendliche mit bestem Gewissen.

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