Wenn der Traum von Freiheit Frauen das Leben kostet

| Kategorie: Kategorie: Meinung | 1 Minute(n) Lesezeit
(c) pixabay/Ulrike Mai

Nach dem Tod einer Afghanin in Berlin stehen ihre beiden Brüder unter Tatverdacht. Der Berliner Psychologe Ahmad Mansour, der sich aktiv und als Autor gegen Extremismus und Antisemitismus engagiert, schreibt in seinem Gastbeitrag über Ehrenmorde – und darüber, wie Gesellschaft und Politik mit dem Thema umgehen sollten.

„Zwei afghanische Brüder stehen zurzeit im Verdacht, ihre Schwester umgebracht zu haben, weil sie ihre westliche Lebensweise ablehnten und sich dazu berufen fühlten, die Familienehre zu schützen. Diese entsetzliche Tat ist leider kein Einzelfall. Seit Jahren kommen Frauen auf diese Art und Weise ums Leben und gerade seit 2015 ist die Zahl der Ehrenmorde beträchtlich angestiegen. Es ist eine bittere Wahrheit: Die Sehnsucht dieser Frauen nach Freiheit kann tödlich enden.

Auf diese Problematik, deren Kontext und Hintergründe hinzuweisen, bedeutet leider, auf massiven Widerstand zu stoßen. Trotzdem müssen wir das Problem klar benennen: All diese Frauen kommen aus traditionellen muslimischen Milieus. Die Täter bewegen sich in Parallelwelten, in denen das Grundgesetz mit Füßen getreten wird. Die Morde werden von einer ganzen Community gestützt, die sich in komplexen patriarchalischen Strukturen organisiert. Der Mann ist das Oberhaupt der Familie. Er allein hat die Kontrolle über die Frau. Nur so kann die Ehre der Familie bewahrt werden. Das Recht der Einzelnen wiegt hier nichts gegenüber der kollektivistischen Identität der Familie. Das ist das soziale Klima, in dem diese Morde stattfinden.

Wir alle sind mitschuldig, wenn wir die Debatte nicht vorantreiben und die Mechanismen hinter diesen Taten ans Licht bringen. Wir müssen verstehen, wie in den betroffenen Milieus gedacht, wie junge Männer erzogen werden, wie das Frauenbild vermittelt und Gewalt legitimiert wird. Erst dann kann der nächste Schritt gegangen werden. Hierfür braucht es neue Vorbilder. Männer, die in den Communities liberalere Ansichten vertreten, die für Gleichberechtigung eintreten und dabei nicht fürchten, ihre Männlichkeit zu verlieren. Prävention ist in diesen Projekten das A und O. Wenn wir uns dem Thema als Gesellschaft nicht angst- und tabufrei stellen, bleiben wir Komplizen der Täter.“

Mehr Informationen über unseren Gastautor:

www.mind-prevention.com

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