Ahrtal muss wieder Heimat werden

| Kategorie: Kategorie: Vor Ort | 1 Minute(n) Lesezeit

Als örtliche Bundestagsabgeordnete vergeht für Mechthild Heil kein Tag, an dem sie sich nicht für die betroffene Flutregion und den Wiederaufbau an der Ahr einsetzt. Für uns hat sie ihre Eindrücke aufgeschrieben.

„Bei der größten Naturkatastrophe in Deutschland seit der Hamburger Sturmflut 1962 haben am 14./15. Juli im Ahrtal über 140 Menschen ihr Leben verloren und es wurden unvorstellbare Verwüstungen angerichtet. Nach einem Monat der ununterbrochenen akuten Krisenbewältigung wollen die Menschen im Ahrtal nun wissen, wie es weitergeht. Sie brauchen das Vertrauen, dass sie auch in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren nicht vergessen werden und ihnen schnell, wirksam und unbürokratisch geholfen wird.

Die Sorge wächst, wie soll ich heizen, wenn die Temperaturen bald kälter werden? Was soll ich essen, wenn die Suppenküchen den Ort verlassen? Denn noch sind nicht alle Haushalte wieder mit Frischwasser und Strom versorgt oder an die Kanalisation angeschlossen. Auch sind immer noch nicht alle Ortsteile über – wenn auch provisorische – Straßen zu erreichen. Werden auch weiter Helfer kommen, die den Putz von den Wänden schlagen, Estrich verlegen oder bei den nötigsten Reparaturen unterstützen?

Die Bereitschaft von Bund und allen Ländern, 30 Milliarden Euro für den Wiederaufbau bereit zu stellen, wird im Ahrtal sehr begrüßt und als großes Zeichen der Solidarität empfunden. Gleichzeitig ist damit die Sorge verbunden, ob die Landesregierung mit der Einsetzung eines Wiederaufbaustabes und eines Vor-Ort-Beauftragten zu einem solchen Kraftakt in der Lage sein wird. Über die Einsatzleitung der ADD gab und gibt es fortlaufend Beschwerden. Das Land zieht die Steuerungshoheit an sich, ohne auf die Expertise und die Bedürfnisse der Menschen in der betroffenen Region zu achten.

Wir dürfen nicht zulassen, dass den Opfern der Flutkatastrophe ein weiteres Mal die Möglichkeit genommen wird, selbst zu agieren. Wir wollen (mit-)entscheiden, was unser Tal in Zukunft prägt. Wie kann die Energieversorgung aussehen? Keine Öltanks mehr, aber Solar auf dem Dach? Nicht vier kleine veraltete Kläranlagen, sondern eine moderne, gemeinsame Anlage? Ein Landstrich, der Modellregion für Nachhaltigkeit, Digitalisierung und moderne Beteiligungsprozesse wird. Und wir brauchen den Mut, nicht immer auf die „deutsche Goldrandlösung“ zu setzen, sondern pragmatisch zu sein. Wir brauchen effektive Genehmigungs- und Bauverfahren.

Das Ahrtal muss wieder eine liebenswerte, ja sogar eine bessere Heimat werden. Nicht in 10 Jahren, sondern sehr bald. Packen wir es an!“

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