„Wer gründen will, braucht so viel Wind wie möglich unterm Flügel“

| Kategorie: Kategorie: Aus der Partei | 2 Minute(n) Lesezeit

Selbstständig im ländlichen Raum und eine Familie gründen – funktioniert das? Ja, sagt Kerstin Rudat. Wir sprachen mit der Gründerin aus dem Hunsrück, CDU-Mitglied, darüber, wie man beides miteinander verbinden kann. Ein bürokratiefreies Jahr für Gründerinnen und Gründer, wie von der CDU im Regierungsprogramm vorgeschlagen, würde sie begrüßen.

Frau Rudat, Sie haben sich als Frau im ländlichen Raum selbstständig gemacht. War das leichter oder schwieriger, als Sie gedacht hatten – Stichwort auch Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Letztlich leichter: denn als berufstätige Mutter von drei Kindern wäre der Alltag auch in der Stadt eine Herausforderung. Aber inzwischen hat sich auch auf dem Land viel verändert – zum Beispiel bei der Kinderbetreuung. Dazu schafft Digitalisierung viele Möglichkeiten, um flexibel zu sein. Man kann vom Dorf aus heute bestens mit allen Städten, Institutionen, Netzwerken in enger Verbindung bleiben – aber man hat als Familie doch eine andere Lebensqualität; vieles hat hier kurze Wege und ist unkomplizierter.

Was sind die größten Hürden für Gründerinnen und Gründer und was müsste sich Ihrer Meinung nach in Rheinland-Pfalz ändern?

Es fehlt ein gut vernetztes und koordiniertes Gründer-Ökosystem, das die Städte auch mit der Fläche vernetzt. Da kocht irgendwie jeder sein eigenes Süppchen. So geht viel Potenzial verloren, ein Start-Up lebt doch von unterschiedlichen Expertisen und Persönlichkeiten. Derzeit finde ich alles immer noch zu eng auf Universitäten und deren Umfeld gefasst; sei es in der inhaltlichen Förderung, sei es beim Zugang zu Kapital. Fakt ist, dass so weibliche, ältere, nicht-urbane oder auch nicht-deutsche Gründer Schwierigkeiten haben, sich zu vernetzen. Ebenso Mittelständler, die nach neuen Lösungen suchen – man muss das gesamte Land aus der Adlerperspektive sehen, nicht Gründer-Schwarmstädte mit Provinz drumherum.

Im CDU-Programm zur Bundestagswahl wird ein bürokratiefreies Jahr nach Gründung versprochen. Wasser auf Ihre Mühlen?

Auf jeden Fall! Wer gründen will, braucht so viel Wind wie möglich unterm Flügel. Gerade in der frühen Phase ist noch nicht alles genau planbar und man testet vieles aus: sei es in Technik, Team oder Markt. Ein bürokratiefreies Jahr würde aus vielem die Bremse rausnehmen und Mut machen, mehr zu wagen.

Wie wirkt sich die Corona-Zäsur auf das Gründungsklima im Land aus? Scheuen die Leute jetzt mehr, Risiken einzugehen?

Hatte ich zuerst auch befürchtet; aber eher im Gegenteil. Als Gründerlotsin des Deutschen Landfrauenverbandes durfte ich im letzten Jahr einige Online-Kurse mit sehr ernsthaften Gründungs-Projekten begleiten. Viele haben die Krise genutzt, um sich mit langgehegten Plänen zu befassen oder die Umstände forderten eine Neuorientierung. Gerade im ländlichen Raum gibt es derzeit viele Herausforderungen in Handel, Tourismus, Kultur, Energie. Neue Ideen werden gefragt sein – regional oder digital inspiriert. Wenn die Rahmenbedingungen zum Gründen entsprechend sind, werden sicher Einige den Sprung ins kalte Wasser wagen. Unserer Zukunft kann das nur gut tun!

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