„Die EU sollte Orban den Geldhahn zudrehen“

| Kategorie: Kategorie: Aus der Partei | 1 Minute(n) Lesezeit

Regenbogenfähnchen und Facebook-Aktivismus – bei der Fußball-Europameisterschaft wurde auf verschiedenen Wegen gegen die homosexuellenfeindlichen Gesetze in Ungarn protestiert. Was aber bleibt vom Protest? Wir sprachen darüber mit Christof Kühn, der unlängst als Landesvorsitzender der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) wiedergewählt wurde.

Herr Kühn, auf Facebook schmückten sich viele Nutzer mit Regenbogen-Symbolen, vor den Stadien schwenkten die Leute die bunte Fahne aus Protest gegen ein homosexuellenfeindliches Gesetz in Ungarn. Netter Aktivismus zum Spiel Deutschland – Ungarn. Was aber bleibt von der 24-stündigen Regenbogenbewegung?

Was ist falsch, sich mit der Regenbogenbewegung zu solidarisieren? Durch das EM-Spiel wurde eine größere Öffentlichkeit auf das homo- und transsexuellenfeindliche Gesetz in Ungarn aufmerksam gemacht, und das ist gut so.  Die Regenbogenbewegung bleibt! Lassen Sie uns in einem Jahr nochmal darüber sprechen.

Ein Satz zu Ungarn: Sollte die EU, wie von verschiedenen Unionspolitikern gefordert, als Strafmaßnahme Fördergelder kürzen?

Ja, auf jeden Fall! Das Gesetz in Ungarn verstößt gegen grundlegende Werte der EU. Ungarns Ministerpräsident Orban instrumentalisiert Ressentiments gegen Minderheiten für seine Zwecke, das kennen wir bereits aus anderen Fällen. Menschen werden alleine wegen ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert.  Wie schrieb es die FAZ so schön: Das Gesetz ist eine Wirklichkeitsleugnung, es soll Jugendliche in einer wichtigen Phase ihres Lebens von Informationen ausschließen. Deshalb: Geldhahn zudrehen!  In Polen hat es die EU vorgemacht: Bei Gemeinden, die sich zu LGBTQ-freien Zonen erklärt hatten, wurden EU-Mittel gekürzt. Einige Städte nahmen daraufhin die Änderungen zurück.

Diskriminierung von Homosexuellen in Deutschland: Wo sehen Sie die größten Baustellen?

Deutschland ist nicht Ungarn. Aber auch hierzulande gibt es Diskriminierungen. Erst im vergangenen Jahr hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zusammen mit der Uni Bielefeld eine Studie vorgelegt, nach der jeder dritte Homosexuelle am Arbeitsplatz gemobbt oder benachteiligt wird. Viele würden deshalb ihre gleichgeschlechtliche Identität geheim halten. Bei Trans-Menschen sind es sogar 40 Prozent. Aber auch innerhalb der Union würde ich mir noch mehr Bewusstsein für unsere Themen und größere Unterstützung wünschen. Das mahnen wir an.

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