Höherer Pflegebeitrag für Kinderlose: Pro & Contra

| Kategorie: Kategorie: Aus der Partei | 2 Minute(n) Lesezeit
Foto: Tobias Koch

Der Bundestag hat die Pflegereform beschlossen. Diese sieht Entlastung bei Zuzahlungen im Pflegeheim, höhere Löhne für Pflegekräfte und eine neue Finanzspritze des Bundes vor. Um dies zu finanzieren, soll der Pflegebeitrag für Kinderlose von 3,3 auf 3,4 Prozent steigen. Daran scheiden sich die Geister. Wir bilden die Debatte ab – mit einem „Pro und Contra“.

„Wir haben eine faire Lösung gefunden“

Ursula Groden-Kranich, MdB

Pro

Die Corona-Pandemie hat uns allen brutal deutlich gemacht, wie wichtig gute Pflege ist. Aber Klatschen alleine genügt nicht. Darum hat der Bundestag nun eine Reform beschlossen: Pflegekräfte erhalten bessere Löhne, Pflegebedürftige werden finanziell entlastet. Damit die Pflegekasse die Mehrbelastung stemmen kann, erhält sie ab 2022 einen pauschalen Bundeszuschuss von jährlich einer Milliarde Euro. Der Beitragszuschlag von Kinderlosen zur Pflegeversicherung wird um 0,1 Prozentpunkte angehoben, auf dann 0,35 Prozent. Die Einnahmen der Pflegeversicherung steigen dadurch um 400 Millionen Euro pro Jahr.

Ich sehe darin keine „Bestrafung“ von Kinderlosen – dies wäre auch vollkommen unangebracht, da Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen, gewollt oder ungewollt, keine Kinder haben. Aber auch Kinderlose sind Teil der staatlichen Solidargemeinschaft, zu der wir alle je nach Möglichkeit einen individuellen Beitrag leisten und auf die wir umgekehrt in verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich stark angewiesen sind.

Der viel beschworene Generationenvertrag funktioniert nur, wenn erstens jüngere Generationen nachfolgen, und wenn wir zweitens deren Beitrag zur Gemeinschaft nicht von vornherein überstrapazieren. Gerade kinderreiche Familien schultern schon heute enorme Belastungen, von denen später alle profitieren. Ich finde es daher vertretbar, dass die Kinderlosen an dieser Stelle einen etwas höheren Beitrag leisten – quasi eine Art „Solidaritätsbeitrag“ zur Generationengemeinschaft, der auch sie angehören und der sich die allermeisten, das weiß ich aus vielen Gesprächen, gerne verbunden fühlen.

Die Erhöhung des Pflegebeitrags für Kinderlose ist im Übrigen nur ein Teil, um eine gute Pflegeversorgung dauerhaft zu sichern, gerade auch für diejenigen, die im Alter keine Hilfe durch eigene Kinder erwarten können. Ich bin überzeugt, dass wir damit eine nachvollziehbare, faire und gute Lösung für diese wichtige Herausforderung gefunden haben.

„Nicht die kinderlosen bestrafen“

Dr. Fred-Holger Ludwig, Vorsitzender der
Senioren Union Rheinland-Pfalz

Contra

Sicherlich – es gibt Partnerschaften, die aus diversen persönlichen, ökonomischen oder lebensplanerischen Gründen keine Kinder wollen. Eine Entscheidung, die jedem selbst überlassen sein sollte. Doch diese Lebensentwürfe kann man nicht mit den vielen Paaren vergleichen, denen der Kinderwunsch unerfüllt geblieben ist. Als niedergelassener Gynäkologe mit onkologischem Schwerpunkt habe ich in 40 Jahren mehr als 9.000 Kinder auf die Welt gebracht und glückliche Mütter und Väter gesehen.

Ich habe auch tiefe Schmerzen in den Gesichtern von jungen Paaren erlebt, denen ich mitteilen musste, dass auf Grund einer Entfernung der Gebärmutter, wegen eines Neoplasmas, ein Kinderwunsch nicht mehr möglich ist. Bei vielen davon war der Lebenssinn mit Familienplanung akut erloschen. Es tut sehr weh, diesen Zusammenbruch eines Familienglücks ansehen zu müssen. Warum sollen diese Paare nochmals bestraft werden?

Erst im Alter merkt man nochmals, was Kinder bedeuten und dabei kommt erneut der Schmerz der krankheitsbedingten Kinderlosigkeit auf, verbunden mit einem jahrelangen Kampf ums Überleben mit dieser Erkrankung. Ich bin seit 40 Jahren aktives Mitglied unserer CDU, Landesvorsitzender einer sehr aktiven Senioren-Union Rheinland-Pfalz und Mitglied des Bundesvorstandes der Senioren-Union. Zusammen mit der Jungen Union haben wir sehr viel bewegt und bewegen weiterhin viel. Wollen wir die ohnehin wenigen CDU-Wähler im „Mittelalter“ nun auch noch vergraulen? Ich halte die Entscheidung deshalb für falsch. Statt die Kinderlosen zu bestrafen, sollten wir die Eltern entlasten.

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