Wird das Eigenheim zum Luxus?

| Kategorie: Kategorie: Aus der Fraktion | 3 Minute(n) Lesezeit

Karina Wächter, Landtagsabgeordnete aus Bernkastel-Kues, kämpft mit ihrer Fraktion für den Traum vom Eigenheim: Zwei Drittel aller Deutschen haben ihn, doch immer weniger können ihn wahr werden lassen. Die Kosten für Rohstoffe steigen weiter, Preise für Immobilien und Grundstücke explodieren. Handwerker? Mangelware. Die junge Abgeordnete will deshalb eine staatliche Förderung für den Weg zum Eigenheim. Die rheinland-pfälzische Landesregierung aber sieht keinen Handlungsbedarf. Wir haben mit der Diplom-Finanzwirtin und Steuerberaterin über ihre Vorschläge gesprochen – und warum sie sich so vehement für Familien stark macht.

Sie sind 31 Jahre alt – ein Alter, in dem viele junge Menschen für ihre Familie ein Haus bauen oder kaufen wollen. Welche Erfahrungen machen Freunde und Bekannte in Ihrem Umfeld?

Bei vielen herrscht Frustration. Es wird immer schwieriger, ein Grundstück zu finden und Baukosten schießen in die Höhe. Weil gleichzeitig Lebenshaltung und Energiekosten immer teurer werden, ist es für viele schwer, eine Finanzierung für ein Eigenheim zu stemmen, obwohl die Zinslage aktuell noch gut ist. Zwei Drittel aller Deutschen haben aber den Traum vom Haus. Ich will, dass wir den Menschen helfen, diesen zu verwirklichen.

300.000 Euro und mehr – das ist selbst auf dem Land heute ein Betrag, den junge Familien dafür brauchen. Und die Preise steigen weiter. Wohin wird das noch führen aus Ihrer Sicht?

Das ist ja genau die Frage: Wir müssen es etwas dagegen tun. Denn ein Eigenheim ist ein Zuhause, eine Zukunftsinvestition und Altersvorsorge in einem. Es ist eine politische Entscheidung, sich ganz klar zum Eigenheim zu bekennen. Als CDU tun wir das, doch bei den Grünen gibt es da ganz andere Bestrebungen in der Wohnbaupolitik. Das geht an der Wirklichkeit und an den Wünschen der Menschen gerade auch im ländlichen Raum vorbei.

Was wollen Sie tun, um die Situation zu verbessern?

Wir haben als CDU-Fraktion mit einem Antrag im Landtag die Landesregierung aufgefordert, ein Förderprogramm zu schaffen, das besonders junge Menschen und Familien beim Ersterwerb von Wohneigentum finanziell unterstützt. Hierzu sollte eine nach Anzahl der Bewohner gestaffelte Förderung von insgesamt 1,5 bis 2 Prozent in Bezug auf die Anschaffungskosten der Wohnimmobilie erfolgen. Im Klartext bedeutet das: Je mehr Personen in der Wohnimmobilie leben, umso höher soll die Förderung ausfallen. 1,5 bis 2 Prozent – das klingt auf den ersten Blick nicht viel. Bei einem Wert der Immobilie von 500.000 Euro sprechen wir hier aber über eine Förderung von 10.000 Euro. Kein Darlehen, sondern eine echte reale Förderung. Geld, das nicht zusätzlich finanziert werden muss. Sondern Geld, das jungen Menschen und Familien hilft, den Traum vom Eigenheim zu realisieren! Aber das kann nur ein erster Schritt sein: Zusätzlich haben wir beantragt, dass der Neubau von Mietwohnraum sowie die Bildung von selbstgenutztem Wohneigentum und die Anpassung des Wohnungsbestandes an aktuelle Wohnbedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger weiterhin unterstützt und gefördert wird.

Außerdem muss die Landesregierung das Vehikel der Grunderwerbsteuer fest im Blick haben und auf das zeitnahe Inkrafttreten der Öffnungsklausel hinwirken. Denn auch hier brauchen wir dringend eine Entlastung! Wir setzen uns daher für eine Grunderwerbsteuerbefreiung für den Ersterwerb von selbstgenutzten Wohnimmobilien mit einem Höchstbetrag von 500.000 Euro ein. Leider haben die Regierungsfraktionen unseren Antrag abgelehnt. Offenbar sieht man keinen Handlungsbedarf.

„Die Landesregierung fördert am ländlichen Raum vorbei“
Karina Wächter MdL

Wie bewerten Sie die Haltung der Landesregierung?

Die ist ein deutliches Signal: Die Landesregierung hat den ländlichen Raum nicht im Blick! Da beruft man sich auf Förderprogramme, die nur für Häuser bis 145 Quadratmeter infrage kommen oder nur für Menschen, deren gemeinsames Bruttoeinkommen eine gewisse Einkommensgrenze nicht überschreitet. So fördert man schlicht an der Lebensrealität auf dem Land vorbei und lässt viele, vor allem junge Menschen und Familien, mit der sich immer weiter verschärfenden Lage allein. Der Förderstopp der neuen Bundesregierung bei den KfW-Zuschüssen kommt letztlich noch erschwerend hinzu. Für mich ist aber klar: Ein Eigenheim ist nicht nur ein Zuhause, sondern auch eine Zukunftsinvestition und Altersvorsorge. Es ist daher meine feste Überzeugung, dass wir dem politisch unbedingt Rechnung tragen und tätig werden müssen

Wie geht es jetzt weiter?

Das Thema Eigenheim ist mir ein echtes Herzensanliegen. Wir bereiten in meinem Kreisverband Bernkastel-Wittlich daher gerade einen Antrag für unseren Landesparteitag im März vor. Diesen Antrag werden auch andere Verbände mittragen. Ich möchte, dass wir uns weiter klar zum Eigenheim bekennen und uns mit weiteren Anträgen dafür stark machen, dass das Eigenheim für viele Menschen Realität werden kann.

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